Edition 6065
Verlag für regionale Kultur und Geschichte
gegründet 1995
von Brigitte Forßbohm
Die Wäsch-Bitt
von Franz Bossong
Heiteres und Satirisches aus dem alten Wiesbaden 1897 bis 1900
herausgegeben und kommentiert
von Brigitte Forßbohm
Mit Förderung des Kulturamts Wiesbaden - Stadtarchiv
Inhalt

Die Wäsch-Bitt, eine satirische Zeitung mit vielen Illustrationen, erschien in drei Jahrgängen, von 1897 bis 1900, "in zwangloser Folge" im Verlag von Franz Bossong in Wiesbaden. Sie enthält satirische, politische und unterhaltende Beiträge, viele davon in Wiesbadener Mundart. Die meisten Artikel und Gedichte hat Franz Bossong selbst geschrieben, aber auch andere Mundartdichter, Karnevalisten und Büttenredner der damaligen Zeit kommen zu Wort. Die Zeichnungen und Karikaturen stammen von dem bekannten Wiesbadener Zeichner und Illustrator Ferdinand Nitzsche (1871-1907).
Die Wäsch-Bitt ist eine Fundgrube für die Stadtgeschichte Wiesbadens um die Jahrhundertwende.
Artikel, Gedichte und Karikaturen aus der Wäsch-Bitt sind von Brigitte Forßbohm ausgewählt, zusammengestellt und kommentiert worden. Weitere Kapitel über die damals brennenden Themen der Stadtentwicklung, das gesellschaftliche Leben, die lokalpolitische Situation, das Leben und Werk Franz Bossongs, sowie Kurzbiographien von politisch, kulturell und künstlerisch aktiven Bürgern lassen ein umfassendes Bild der Glanzzeit Wiesbadens um die Jahrhundertwende entstehen.
Franz Bossong (1872-1914) entstammte der Bäckerfamilie Bossong mit dem Stammhaus in der Kirchgasse 58. Der legendäre Bäcker Bossong, ein Urbild des Virreche (so bezeichneten sich die alteingesessenen Bürger), war sein Vater. Seit 1893 betrieb Franz Bossong in Wiesbaden eine Buchhandlung mit Antiquariat und Verlag und war schriftstellerisch selbst äußerst rege. Neben den Beiträgen für die Wäsch-Bitt verfaßte er einen Fremdenführer für Wiesbaden, der vier Auflagen erlebte, topographische Schriften über nassauische Landschaften und einen Band "Gedichte in Wiesbadener Mundart". Er gehörte zu den Aktiven des Karnevalsvereins Sprudel und engagierte sich als Gründer des nassauischen Taubstummenvereins. Seine elegante Erscheinung und seine weltmännischen Manieren brachten ihm den Beinamen Lord Blummekohl ein. Franz Bossong starb 1914 wenige Wochen vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Haus Roonstraße 17 in Wiesbaden.
Franz Bossong "hat mit dazu beigetragen, als lebendes Original und wandelnde Verkörperung des von ihm geschaffenen Wiesbadener Urtyps, des Virreche, das Wenige aufrechtzuerhalten, was die alte nassauische Stadt Wiesbaden ihrem beispiellosen Aufstieg an alter Bürgertradition entgegenzusetzen hatte." (Hedwig Witte, 1906-1991)
Das vorliegende Buch enthält die erste Neuauflage des Werks von Franz Bossong und die erste ausführliche biografische Würdigung seines Lebens.