Kleine Songs zwischen Freunden

John Fischer und Arno Fischer lernten sich 1996 anlässlich der Sommerakademie in Marburg kennen. John leitete dort eine Klasse für freies Malen und Arno arbeitete beim städtischen Kulturamt.

Als John zu erzählen begann, konnte Arno noch nicht einschätzen, welche Ehre das war, denn die Freundschaft, die sich mit den Jahren entwickelte, zeigte einen eher wortkargen John.

Nun aber erzählte er wie ein Rhapsode …

John Fischer wurde 1930 als Sohn eines Goldschmieds in Antwerpen geboren. Da sie Juden waren, musste die Familie 1940 vor den Deutschen fliehen. Es dauerte drei Jahre bis John eines Morgens zum ersten Mal die U-Bahn in New York betreten konnte. Da war er dreizehn.

John Fischer wurde „artist“. In den 1970ern wurde seine „bread art“ im Central Park in New York zu einem Markenzeichen. Als Pianist spielte er Free Jazz und war die zentrale Figur der New Yorker „loft scene“, in seinem „Environ“ traten alle Musiker auf, die dazu gehören wollten. Es folgten Gastspiele in Europa, in den Niederlanden, in Frankreich und Belgien. 1977 spielte er bei den Jazztagen in Berlin.

Ein gekürzter Mitschnitt des Fischersday in Marburg mit der Buchpäsentation am 11. August 2020 von HR 2 Kultur kann nachgehört werden. Die Veranstaltung wurde moderiert von Roland Stürmer. Helge Heynold und Autor Arno Fischer lasen im Spiegellustturm in Marburg.

 

Weitere Infos


Dibbegugger un Worschtphilipp waren zwei Wiesbadener Originale aus der satirischen Zeitung Die Wäsch-Bitt, erschienen in den Jahren 1897 bis 1900.

"Umweeschfinanzierung"

Worschtphilipp un Dibbegugger
Zeichnung: Ferdinand Nitzsche, Wäsch-Bitt, 1., 2., 3. Jg., 1897/98/99. In: Die Wäsch-Bitt von Franz Bossong. Wiesbaden

 

Dibbegugger: Hoste scho geheert, die neu Rhein-Main-Hall soll ball 200 Millione koste ...

Worschtphilipp: Un wer soll des bezahle?

Dibbegugger: Ei, die Wissbadener, wer sunst?

Worschtphilipp: Könne die dann kaan Investor finne, wo sei Geld do rin steckt?

Dibbegugger: Na, des geht nit, weil die Hall macht jo Verlust ...

Worschtphilipp: Warum zum Deiwel brauche mir e Hall, die bloß Verlust mecht?

Dibbegugger: Des is wesche de Umweeschfinanzierung ...

Worschtphilipp: „Umweeschfinanzierung“ was soll dess dann sein?

Dibbegugger: Bass uff, die Stadt baut die Hall, dann komme vill Leut in die Stadt, uff Kongresse un so. Dadorsch verdiene die Gastwerte besser un zahle dann mehr Steuern an die Stadt. Unn ibber den Umweesch, wenn's klappt,  verdient die Stadt dann widder an de Hall.

Worschtphilipp: Jo, wann des bloß uffgeht! Dann könne se doch gleich de Gastwirt e paar Millione im Johr nochschmeiße oder besser: einmol im Monat im Rothaus e groß Buffet für die Leut veranstalle. Des käm ohne Umweesch immer noch billischer un mer hätt was devon!

Dibbegugger:  Des mache se nit. Dem Ball des Sports wolle se noch 500.000 Euro dezugebbe, dass er ibberhaubt kimmt!


Juli 2018